Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten am 19. November 2025 der Einladung von RinderAllianz und Landesforschungsanstalt MV in den Gasthof Zur Erbmühle in Todendorf, um über die Zukunft der Rindfleischerzeugung zu diskutieren. Fachlich fundierte Vorträge, ein engagiertes Publikum und ein bestens vorbereiteter Gastgeberbetrieb machten die Veranstaltung zu einem echten Highlight im Fleischrindjahr.

Globale Märkte, nationale Herausforderungen

Zum Auftakt ordnete Dr. Claus Deblitz vom Thünen-Institut Braunschweig die deutsche Rindfleischproduktion in den internationalen Kontext ein. Anhand der Auswertungen des Netzwerks agri benchmark zeigte er, wo Deutschland im globalen Vergleich steht und welche Trends die Märkte künftig prägen. Trotz aktuell hoher Erlöse sei das Verhältnis zwischen Mastbullen- und Kälberpreisen hierzulande wenig attraktiv, so Deblitz. Langfristig könne sich der Preis auf einem Niveau zwischen sechs und sieben Euro pro Kilogramm einpendeln – stabile Perspektiven, aber keine Selbstverständlichkeit. Damit die Rindfleischerzeugung in Deutschland Bestand hat, müsse sie sich stärker über Qualität und Herkunft vermarkten, ähnlich wie es Irland mit seinem erfolgreichen Exportmarketing vormacht. Deutlich warnte Deblitz zudem vor dem zunehmenden Fachkräftemangel in der Branche und stellte die Frage, ob Grünlandbewirtschaftung ohne Wiederkäuer oder gar Mutterkuhhaltung überhaupt denkbar sei.

Beef on Dairy – Chancen nutzen, Grenzen kennen

Im Anschluss beleuchtete Dr. Ariane Boldt von der LFA MV das Thema Beef on Dairy – die gezielte Anpaarung von Fleischrindbullen auf Milchkühe. Anhand von Auswertungen aus über 130 Testherden der RinderAllianz und des RBB zeigte sie, welche Rassen in der Praxis genutzt werden und welche wirtschaftlichen Potenziale sich daraus ergeben. Besonders Angus-Kreuzungen erwiesen sich als ausgewogen hinsichtlich Kalbeeigenschaften, Mastleistung und Vermarktungserlösen.

Boldt machte deutlich, dass Kreuzungskälber aus Milchviehbetrieben einen wichtigen Beitrag zur heimischen Rindfleischerzeugung leisten können – vorausgesetzt, Zuchtwahl, Tierwohl und Management passen zusammen.

Praxis hautnah: künstliche Besamung in der Fleischrinderzucht

Wie sich moderne Reproduktionstechnologien auch in Fleischrinderbetrieben erfolgreich einsetzen lassen, zeigte Klaus Schulte-Ebbert aus Lelkendorf. Auf seinem Charolais-Zuchtbetrieb kombiniert er künstliche Besamung mit einem Brunsterkennungssystem, um zielgerichtet internationale Genetik nutzen und den Kalbezeitraum konzentrieren zu können. Auch seine Ausführungen zur Bullenauswahl boten interessante Denkansätze und Anstöße für die Diskussion unter den Teilnehmern.

Ulrike Heuer von der RinderAllianz ergänzte den Praxisbericht mit wertvollen Hinweisen zu Vorbereitung, Fixierung und optimalem Besamungszeitpunkt. Ihre Empfehlung: „Ruhiger Umgang, genaue Beobachtung und konsequente Dokumentation sind entscheidend für den Erfolg.“

Zucht in Kuhfamilien – Charolais in Bestform

Am Nachmittag stand der Besuch des Betriebes Schulte-Ebbert auf dem Programm. Rund 180 Charolais-Mutterkühe bilden dort das Herzstück der Herde, die seit den frühen 1990er-Jahren aufgebaut wurde. Zucht in Kuhfamilien, gezielte Linienführung und der Einsatz internationaler Genetik prägen das Zuchtprogramm. Die Tiere präsentierten sich in hervorragender Verfassung und waren beste Werbung – sowohl für die Rasse als auch für die Zuchtarbeit ihres Besitzers. Der Rundgang über das Hofgelände stieß auf großes Interesse; viele nutzten die Gelegenheit, Fragen zur praktischen Umsetzung der Besamung zu stellen und Erfahrungen auszutauschen.

Starker Abschluss mit Fachgesprächen

Bei Kaffee und Kuchen im Stall klang der Fleischrindtag in geselliger Atmosphäre aus. Fachgespräche zwischen Züchtern, Beratern und Wissenschaftlern zeigten, dass die Branche im Wandel steht – aber auch, dass Innovation und Leidenschaft weiterhin Motor der Fleischrinderzucht in Mecklenburg-Vorpommern sind. Der Fleischrindtag MV 2025 bot einen gelungenen Mix aus Forschung, Praxis und Erfahrungsaustausch. Wer dabei war, nahm viele neue Impulse mit. Und wer nicht dabei war, hat zweifellos eine Veranstaltung verpasst, die einmal mehr zeigte, wie lebendig und zukunftsorientiert die Fleischrindzucht im Norden ist.

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