Fleischrindtag Mecklenburg-Vorpommern

Unter dieser Überschrift luden die Landesforschungsanstalt M-V und die RinderAllianz für den 18. November zu ihrem traditionellen Fleischrindtag nach Rostock und Papendorf ein. Mit gut 70 Teilnehmern – Fleischrindzüchtern, Mutterkuhhaltern und Nachwuchslandwirten – war die Veranstaltung, die unter Corona-3G-Regeln stattfand, gut besucht. Es war zu spüren, dass viele Landwirte das persönliche Treffen und den Erfahrungsaustausch vermisst hatten. Dem verlieh auch Dr. Manfred Leberecht in seiner Begrüßung und Moderation Ausdruck.

Haltungssysteme optimieren

In den Vorträgen von Dr. Sebastian Hoppe, LWK Nordrhein-Westfalen, zu „Zukunftsorientierten Haltungssystemen für die Bullenmast und Mutterkuhhaltung“ sowie von Johannes Zahner, LfL Bayern, zur „Reduzierung von Hitzestress in der Bullenmast und bei Mutterkühen auf der Weide“ lieferten die Referenten wertvolles Grundlagenwissen und zeigten Optimierungsmöglichkeiten, im Wesentlichen für die Stallhaltung, auf. Die anschließende Diskussion unterstrich, dass die Themen bei den Teilnehmern einerseits großes Interesse fanden, dass es andererseits aktuell jedoch schwer ist, abschließende Antworten zu brennenden Fragen zu geben, solange die Vorgaben und Rahmenbedingungen seitens der Politik und den Abnehmern nicht geklärt sind.

Blick nach Dänemark

Dass es auch anders geht, wurde im Vortrag von Dr. Ariane Boldt, LFA M-V, zur Bullenmast in Dänemark deutlich, bei dem sie einen Blick über den Tellerrand wagte und interessante Einblicke in  das dänische Mastsystem gewährte. Dies ist allerdings schwerpunktmäßig auf die Mast von HF- sowie HF-Kreuzungstieren aus der Milchproduktion ausgelegt. Eine enge Zusammenarbeit mit den Schlachtunternehmen, Vorgaben zu Haltung, Fütterung und Schlachtalter (deutlich jünger als in Deutschland) kombiniert mit einer langfristig angelegten staatlichen Förderung (festgeschrieben bis 2030) führen zu einer Regulierung und Begrenzung des Rindfleischaufkommens und zu für den Landwirt planbaren Preisen.

Angebote für die Landwirte

In drei kleineren Beiträgen informierten Patricia Lößner, LFA M-V, zum Netzwerk Fokus Tierwohl, Aline Kowalewicz, LFA M-V, zum Netzwerk KleeLuzPlus, sowie Dr. Sabine Schmidt zum Angebot der RinderAllianz, den Fleischrind-Mitgliedsbetrieben im Rahmen eines Baukastensystems bei der Erstellung eigener Internetseiten unter die Arme zu greifen.

Gut durchdachtes Management und züchterische Ambitionen im Praxisbetrieb

Der Besuch eines interessanten Praxisbetriebs gehörte wie immer zu den Highlights des Fleischrindtags. Diesmal ging es in die nahegelegene Papendorfer Agrargenossenschaft. Unter nicht ganz einfachen Bedingungen bewirtschaftet das junge, sehr dynamische Leitungs- und Mitarbeiterteam um Betriebsleiter Steven Hirschberg rund 1.300 ha LN direkt am Stadtrand von Rostock – in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohn- und Gewerbegebieten. Mit 24 bis 54 Bodenpunkten sind die Böden recht heterogen, ein enormer Standortvorteil sind jedoch die komplett arrondierten Flächen mit maximal 10 km Entfernung zum Betriebssitz. Die Mutterkuhhaltung auf 170 ha GL (davon 140 ha Naturschutzfläche) mit den Produktionszielen Absetzerproduktion und Landschaftspflege hat im Unternehmen langjährige Tradition und wird als gleichberechtigter, vollwertiger Betriebszweig mit der gleichen Intensität gemanagt wie die übrigen Standbeine des Unternehmens. Mit der Rasse Uckermärker hat man dabei gute Erfahrungen gesammelt, über jahrelange Verdrängungskreuzung tragen die 150 Mutterkühe überwiegend Uckermärkergenetik.

Folgerichtig daher vor 2-3 Jahren die Entscheidung, mit der Rasse in die Herdbuchzucht einzusteigen. Für Herdenmanager Nico Tabel war und ist dies eine neue Herausforderung, der er sich gern und mit viel Engagement stellt. Gezielte Zukäufe aus renommierten Zuchtbetrieben, wie der Sanzkower Agrarproduktion, der Marktfrucht GbR Mahlzow sowie aus den Zuchten von Dirk Berndt, Heinersdorf, und Götz Albrecht Lewens, Preddöhl, bilden die solide Basis der inzwischen 25 HB-Kühe umfassenden Zuchtherde, auf der man sehr gut aufbauen kann. Ein durchschnittlicher RZF der Kühe von 107 (Spitze: 120) unterstreicht die Top-Qualität der Zukaufstiere. Als Zuchtbullen sind aktuell Topper (Topas x Henri), Heigo (Hermann x Luther) und Orex (Orkan x Pirat) im Einsatz. Mit Jörn (Justus x Echo) wurde erstmals ein im Betrieb geborener Bulle gekört. Die Ergebnisse zeigen das enorme Potenzial: 1.704g LTZ, Körnoten 8-9-7! Jörn vertrat zusammen mit seiner Mutter Henrika und deren aktuellem Kalb die Rasse Uckermärker auf der diesjährigen MeLa und ist inzwischen ebenfalls in Papendorf im Zuchteinsatz.

Für die Teilnehmer des Fleischrindtags waren – passend zum Thema – neben den züchterischen Fragen natürlich auch die für die Mutterkuhhaltung umgebauten Altställe sowie das Herdenmanagement von hohem Interesse. Dass dies gut passt, belegten auch die gut konditionierten Mutterkühe sowie die bestens entwickelten Kälber bei Fuß.

Fazit: Der gut aufgestellte, zukunftsträchtige Betrieb war unbedingt einen Besuch wert. Zuchttiere aus der Papendorfer Agrargenossenschaft werden in den kommenden Jahren die Uckermärkerzucht bereichern und sollte man als Züchter oder Mutterkuhhalter „auf dem Zettel haben“. Danke vor allem an Steven Hirschberg und Nico Tabel für die spannende Betriebsvorstellung!

Die Unterlagen zu allen Vorträgen stehen auf der Internetseite der LFA unter https://www.landwirtschaft-mv.de/Landesforschungsanstalt/ zum Download bereit.

Teilen Sie diese Seite